Ein Müllprofi mit Herz

Der Promenadenweg ist das Sorgenkind

Waldbröl. (js) Eigentlich kennen ihn die Waldbröler nur unter dem Namen "Primchen" und jeder weiß, dass hiermit nur einer gemeint sein kann, nämlich Gerhard Wirths, Waldbröler Urgestein und Chef eines zertifizierten Entsorgungsfachbetriebes. 
Seit 15 Jahren schickt er jeden Montag, Mittwoch und Freitag seine Mitarbeiter Johannes Stahl und Thomas Flick mit einem 3,5 Tonner LKW auf innerstädtische Mülltour. Trotz aller Bemühungen durch Vereine, jährliche Müllsammelaktionen oder den Müllgipfeln mit Bürgerbeteiligung ist das Problem nicht ganz in den Griff zu bekommen. Gerhard Wirths zeigt unserer Zeitung einige neuralgische Punkte. Die Tour beginnt im Industriegebiet.
An verschiedenen Stellen, so im Langenbacher Siefen, parken hier im öffentlichen Verkehrsraum bis zu sechs - meist ausländische - LKW in Reihe und warten auf Rückfracht. Manchmal stehen sie mehrere Tage oder auch übers Wochenende dort. Die Fahrer hinterlassen meistens Fäkalien und Müll, der sich im Gelände oder in den Büschen verteilt. Schwerpunkte sind leider auch immer wieder Wege und Plätze im Umkreis der Schulen.

Vom Wiedenhof bis zum Schulzentrum gilt dies ohne Ausnahme. Der Promenadenweg gehört dazu. Ein Realschüler, der täglich hier vorbeikommt, erntet von Mitschülern oft nur höhnisches Gelächter, wenn er sie darauf hinweist, den Müll doch nicht einfach am Wegesrand zu entsorgen. "Halt's Maul!" oder "Du Penner!" ruft man ihm zu! Johannes Stahl hat hier schon einen Mülleimer, der komplett aus der Verankerung herausgerissen wurde, aus dem Bach gefischt.
Auf einigen Parkplätzen und an der Bahnhofstraße im Bereich des alten Güterbahnhofes müssen regelmäßig die Tüten einer bekannten Imbisskette aufgesammelt werden. Nach dem Genuss von Fritten, Hamburgern und sonstigem "Fingerfood", entsorgen einige Mitbürger nach dem Motto "Ex und Hopp" den Abfall achtlos aus dem Autofenster.

Auch sechs "verlorene" Autoreifen warten hier auf den Abtransport. Ein weiterer Brennpunkt ist der Bereich um die Mecklenburger Straße. Rund 320 Mülleimer gibt es im Stadtgebiet, die regelmäßig geleert werden. "Wir verdienen an dieser Art der Müllentsorgung nicht viel und im Industriegebiet machen wir das ohne Berechnung", erklärt Gerhard Wirths.
Er sieht die Notwendigkeit die Stadt vom wilden Müll zu befreien wohl weniger als Unternehmer denn als Bürger einer Stadt, für die sein Herz schlägt. Und was könnte man tun, um das Problem zumindest einzudämmen? Hier hört seine Herzlichkeit allerdings auf und es kommt eine klare "Ansage": "Ein Zweierteam vom Ordnungsamt müsste mit einem gekennzeichneten PKW in der Stadt Streife fahren, eventuell sogar im Schichtdienst und die müssten auch berechtigt sein Verwarngelder zu kassieren!"
Wer bei der Entsorgung des wilden Mülls einmal mit anfassen will, der hat am 31. März 2012 die Gelegenheit dazu. Treffpunkt ist um neun Uhr am Bauhof. "Eine Stadt putzt sauber" heißt das Motto. Federführend ist in diesem Fall der VVV. Bilder im Internet unter: www.lokalanzeiger.de

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