Wenn man viel unterwegs ist, dann begegnet man merkwürdigen
Mitmenschen.
Auf der Autobahn kennen sie kein Tempolimit
und fahren zu dicht auf, drängeln auf der linken Spur und
benehmen sich wie die Axt im Walde. Das sie dabei die anderen
Verkehrsteilnehmer in Nöte bringen, sie aufregen und zu
hektischen Manövern zwingen, ist ihnen offenbar völlig
gleichgültig. Egoismus pur.
Im Reisezug telefonieren sie - egal ob Wagen mit oder ohne Ruhebereich - minutenlang mit ihrem Handy. So laut, dass der halbe Zug das dort gerade stattfinde "Meeting" mithören "darf". Sind Fan-Gruppen oder manche Clubs in der Eisenbahn unterwegs, vergessen die als Meute schon mal ihre gute Erziehung, sind laut und pöbeln herum.
In der Straßenbahn oder im Nahverkehrszug bleiben dann Disziplin und Sauberkeit vollends auf der Strecke. Da werden Zeitungen, Essensreste und Trinkutensilien einfach liegen gelassen. Da wird - obwohl verboten - geraucht. Und da werden mutwillig die Scheiben zerkratzt, die Polster versaut und oft genug die Mitreisenden verunglimpft. Viele Bahnhöfe sehen - selbst nach einer Renovierung - rasch wieder wie Müllkippen aus.
Man kann es sich einfach machen und sagen: Die Leute sind
schuld. Viele haben kein Benehmen. Und viele jungen Leuten macht es
offenbar Spaß, mal die Sau raus zu lassen.
Doch so einfach ist das nicht.
Ich meine, dass es einfach zu wenige Kontrollen, im Zug zu wenig Personal und ganz allgemein zu wenig vorgelebte Disziplin und Zivilcourage gibt.
Beispiel Autobahn und Tempolimit Die meisten Autofahrer halten sich daran. Doch es gibt - auch unter eiligen Geschäftsreisenden - eine nicht geringe Zahl, die ignorieren das vorgeschriebene Tempo, setzen keine Blinker und veranstalten wilde Spurwechsel.
Frage: Wo ist die Polizei? Besonders in unserer Region, wo es auf den Autobahnen rund um Köln und Bonn wirklich knifflige Teilstücke und Ecken mit hohem Gefahrenpotential und jede Menge Staus gibt, sollte die Polizei viel mehr Präsenz zeigen und die "Wilde Reiter GmbH" per Radarkontrolle oder Abstandsmessungen zur Räson bringen.
Beispiel Reisezug Gerade im ICE gibt es genug Personal, das durchaus mal etwas zu den "Dauer-Telefonierern" sagen oder die Fan-Gruppen etwas einbremsen könnte.
Beispiel Straßenbahn und Regionalzüge Sauberkeit und Rücksicht auf die Mitreisenden kommen hier schon deshalb abhanden, weil es so gut wie kein Zugpersonal gibt. Fahrkartenkontrolle oder Präsenz durch die Schaffner-Uniform sind absolute Mangelware.
Ich reise häufig mit der Bahn nach Köln und zurück. In den letzten drei Jahren erlebte ich jedoch nur eine einzige Fahrkarten-Kontrolle. Je später der Abend, desto weniger Zugbegleiter findet man. Abends und nachts traut sich von denen kaum noch einer in den Zug.
In Zügen der Kölner Verkehrs Betriebe (KVB) hängt zwar ein Schild, das liegen gebliebene Essensreste oder Flaschen ein Buß- oder Reinigungsgeld von 20 Euro kosten. Doch wer kontrolliert das und treibt es ein?
Auf Flughäfen und in Flugzeugen gibt es das alles nicht. Zugegeben: Das lässt sich alles besser kontrollieren und Fliegen kostet Geld. Aber ICE- und Bahnreisen ist oft teurer als Fliegen. Da wären Kontrolleure schon bezahlbar.
Meine Meinung: Ich bin wirklich nicht für extreme Kontrollen. Wir sind ja kein Polizeistaat. Aber mehr Präsenz der Ordnungshüter würde für mehr Disziplin auf der Straße sorgen und sicher Unfälle reduzieren. Und mehr Schaffner und Zugbegleiter garantieren schon alleine durch ihre Anwesenheit dafür, dass es weniger Schwarzfahrer gibt, dass die Züge sauberer bleiben und dass weniger Rüpeleien vorkommen. Benehmen ist nämlich keine Glückssache, sondern Voraussetzung für ein vernünftiges und respektvolles Miteinander. Auf der Straße und in der Eisenbahn.




